Orte

Eine Frage des Raumes

In München gibt es immer weniger Orte, an denen Menschen zusammenkommen, Kunst machen oder Kultur erleben können. Die Räume sind teuer und rar. Auch jüngste Kürzungen für Kultur im Haushalt der Stadt München verschärfen die Lage. Viele stimmen in der Stadt betonen deshalb:

„In Städten wie München, wo Grund teuer, Flächen rar und die Konkurrenzen darum groß sind, müssen wir öffentlichen Raum neu denken, vielfältiger nutzbar machen und besser vernetzen“
(Referat für Stadtplanung und Bauordnung, 2023).

„Das Geld werde zu oft für Prestigebauten in München eingesetzt“
(AZ, 2025).

„Gerade in Zeiten, in denen die Gesellschaft und ihr Zusammenhalt von Spaltung und Polarisierung bedroht würden, benötige die Stadt Räume für Austausch und Kultur“
(Oberbürgermeister München, taz, 2025)

Es braucht mehr Räume, die offen für alle sind – Orte, um das Zusammenleben Münchens zu gestalten sowie die Vielfalt, die in dieser Stadt eine Tatsache ist, zu feiern und sichtbar zu machen. Einer solcher Ort ist das EineWeltHaus in der Schwanthaler Höhe.

Im EineWeltHaus Münchens wird Vielfalt in vielfältiger Hinsicht Raum gegeben. Jeden Tag von 9 – 23 Uhr stehen die Türen offen. Als Trägerkreis verschiedenster Initiativen, Gruppen und Organisationen verschreibt sich das EineWeltHaus den Werten der Toleranz, Offenheit, Solidarität, Vielfalt und Verständigung. Um sich diesen Werten zu nähern und im städtischen Zusammenleben zu verankern, stellt das EineWeltHaus Räume zur Verfügung, in denen dieses Bestreben verfolgt und gelebt werden kann.

Raum für ...

... Themenvielfalt V

Die Palette an Themen ist überaus groß: Umwelt, Migration, Bildung, Politik, soziale Fragen oder Alltagsherausforderungen finden hier Platz. Der Themenauswahl sind keine Grenzen gesetzt. Das spiegelt sich auch in der großen Anzahl an Mitgliedsgruppen im EineWeltHaus wider. Jede dieser Initiativen verfolgt verschiedenste Themenschwerpunkte. Beispielsweise agieren dort Chancen durch Bildung e.V., Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Grundeinkommen e.V., Verein für Fraueninteressen, Rechtshilfe München e.V., Verein für solidarische Perspektiven, Migration macht Gesellschaft e.V., Arbeitskreis Panafrikanismus oder das ISW - Institut für soziale-ökologische Wirtschafsordnung e.V.

Mittels Workshops, Lesekreisen, acht offenen Diskussionsrunden oder Beratungsangeboten versucht jede dieser Gruppen einen Beitrag zur Anerkennung der Vielfalt in München zu leisten. Herausforderungen wie Benachteiligung, Ausgrenzung, Meinungsintoleranz oder Umweltverschmutzung sollen ebenso in den Fokus genommen werden.

... kulturelle Vielfalt V

Sprachkurse, Tanzkurse, Feste, Konzerte oder Performances laden dazu ein, die Bandbreite der kulturellen Vielfalt in München zu entdecken. Es stehen den Bürger*innen Münchens Räume zur Verfügung, ihre eigene Kultur zu zelebrieren und öffentlich zu machen, aber auch in fremd wahrgenommene, kulturelle Lebensweisen reinzuschnuppern. Beispielsweise veranstaltet rinascita e.V. regelmäßige Treffen, die für in München lebende Italiener*innen Anlaufpunkte sind, um sich ihrer kulturellen Einzigartigkeit zu widmen. Diese Treffen sind natürlich offen für jeden Interessierten der italienischen Lebensweise.

... künstlerische Vielfalt V

Auch Kunstformen jeglicher Art bekommen einen Platz und Raum im EineWeltHaus. Sei es Malerei, Tanz, Gesang, Literatur, Film oder Schauspiel, im Programm ist alles zu finden. Beispielsweise bietet das Format „dieBühne“ – welches einmal pro Monat stattfindet – allen Kreativen und Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre eigene Kunst ihren Mitbürger*innen nahe zu bringen. Besucher*innen können sich in Mal- und Schauspielkursen sowie Tanzimprovisationsveranstaltungen oder traditionellen Tanzkursen (z.B. Bachata oder Salsa) ausprobieren. Sie fördern so den interkulturellen Austausch und lassen Besucher*innen die Vielfalt Münchens auf künstlerischer Weise und am eigenen Körper erfahrbar machen.

... Meinungsvielfalt V

Als ein Ort der (politischen) Meinungsbildung eröffnet das EineWeltHaus Räume für kritische Auseinandersetzungen und Perspektivwechsel. Meinungsunterschiede sollen nicht notgedrungen überwunden werden, vielmehr sollen sie aktiv ausgetauscht werden. Das miteinander Kommunizieren und gegenseitige Konfrontieren steht im Vordergrund und soll so zur einer pluralen Stadtgesellschaft sowie deren Sichtbarkeit beitragen.

Die internationale Bibliothek – die neben europäischen und arabischen Sammlungen beste internationale Literatur aufweist – bietet Münchner*innen die Gelegenheit, tiefer in eher unbekanntere Gebiete einzusteigen. Dahingehend werden Besucher*innen ermutigt, sich mit Themenfeldern wie Politik, Migration, Ökologie oder Zeitgeschichte zu befassen. Dazu trägt auch die „Tertulia Freiarena“ bei, die sich als „interkultureller Lesekreis für kritische Pädagogik und politische Bildung“ versteht. Hier wird Lektüre verständlich gemacht, heiß diskutiert und veranlasst Teilnehmende zum Weiterdenken. Auch das „Friedenscafé“ verschreibt sich dem Anliegen, Meinungsvielfalt zu fördern. Wertschätzende Kommunikation in Form von Zuhören/Ausreden lassen sowie die Fokussierung auf sachliche Inhalte sollen einen Raum des wertfreien Kommunizierens schaffen

Spaces can be real and imagined. Spaces can tell stories and unfold histories. Spaces can be interrupted, appropriated and transformed through artistic and literary practice.
- bell hooks -

Text und Bilder
Jeremy Detscher (Dezember 2025)

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